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Handhabung von Yachten

­Dieser neue Prüfungsteil ist Bestandteil jeder SHS-Prüfung. Da bis jetzt noch wenig Informationen über diese Prüfung vorliegen, soll diese Ausarbeitung dabei helfen sich ein Bild von dem zu machen, was einen be­i dieser Teilprüfung erwartet. Vielleicht beruhigt das die Nerven etwas. Die SHS Fragensammlung soll als Beispiel und Übung dienen, sie entsammt Gedächnisprotokollen. Keine Gewähr!­

Allgemeines zur Prüfung "Handhabung von Yachten"

Die Prüfung findet in Dialogform statt. Es gibt immer zwei Prüfer und einen Prüfling, wobei nur ein Prüfer Fragen stellt, während der andere die Antworten protokolliert.

Die Fragen zielen meist darauf ab ein Szenario einer speziellen Situation zu entwickeln (aufziehender Sturm, Seenotfall, einklarieren in Fremden Häfen, Übernahme einer Charteryacht, usw.) daraus werden dann Fragen abgeleitet, die der Prüfling richtig und möglichst umfassend beantworten soll. Es ist also wie ein "einseitiges" Fachsimpeln über einige Manöver oder Vorgehensweisen in bestimmten Situationen. Der Prüfling soll zeigen, dass er Erfahrung hat und auch auf ungewöhnliche Situationen reagieren kann.

Tipps und Hinweise:

Die Prüfung ist von allen Teilen (Navigation, Wetter, Recht) der einfachste, gleichzeitig kann man sich wenig vorbereiten. Das verunsichert den Prüfling. Dazu sei gesagt, dass meiner Kenntnis nach der allergrößte Teil aller Prüflinge die gestellten Fragen für fair hielt und entsprechend beantworten konnte. Man sollte sich daher nicht verrückt machen. Das gute ist, dass es kein "richtig" oder "falsch" gibt, solange man die Entscheidung für oder gegen eine Maßnahme gut begründen kann.

Als einzige Form der Vorbereitung hilft vielleicht ein gewisses Brainstorming, so dass man sich zu der einen oder anderen Situation schon vor der Prüfung Gedanken machen kann.

Hilfreich ist sicherlich auch ein gutes Vorstellungsvermögen, man sollte sich wirklich in das Szenario reindenken. Viele Ausgangslagen (Sturm, einklarieren, Übernahme einer Yacht, etc.) sollten Seglern mit Praxiserfahrung vertraut sein. Für die aus den Szenarien abgeleiteten Fragestellung gilt das nicht zwangsläufig. Deshalb sollen untenstehende Beispiele dazu dienen, sich ein Bild von typischen Fragen verschaffen zu können.


Beispiele für Prüfungsfragen zur mündlichen Prüfung "Handhabung von Yachten!"

Die folgenden Fragen stammen aus Gedächnisprotokollen von drei Prüfungen im Mai 2008 und sind nach bestem Wissen zusammengestellt. Es kann dennoch keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, Richtigkeit, Sinn und Übertragbarkeit der Fragen auf andere Prüfungen erhoben werden. Sie sollen nur als Übungsbeispiele dienen, deshalb ist alles hier geschriebene ohne jede Gewähr. Die in Klammern angegebenen Zusätze stellen nicht die richtigen Antworten, sondern nur Denkanstöße dar.


Beispiel 1: Verproviantierung einer Yacht, Überschreiten von Zollgrenzen

Szenario: Sie sind in Begriff eine Seereise auf einer Charteryacht zu starten. Die Crew ist vollzählig anwesend, sie sind in einem fremden Hafen (z.B. Mittelmeer). Die einzelnen Mitglieder der Crew sind zusammengewürfelt und ihnen zum Großteil nicht näher bekannt.

Fragen:

Übernahme der Yacht:

  • Worauf ist zu achten? (Papiere, Dokumente, Material, etc.)

  • Es ist keine Steuertafel an Bord. Benötigen Sie eine, was machen Sie (Kompasskontrolle)

  • Wie erfolgt eine Einweisung der Crew?

  • Was macht man als erstes nach der Einweisung? (Vermerk über erfolgte Einweisung ins Logbuch!)


Es geht nun um die Verproviantierung:

  • Wer organisiert den Einkauf von Proviant?

  • Wer ist der Einkäufer / wer leitet das Einkaufen?

  • Worauf muss besonders geachtet werden?

Szenario: Es werden auch alkoholische Getränke gekauft. Was ist dabei zu beachten, wenn wir jetzt unsere Reise mal in die Ostsee verlegen und von Deutschland eine Reise nach Skandinavien (z.B. Schweden) planen?

  • Was sind die Zollbestimmungen? Wie informieren sie sich über Freigrenzen, etc.?

  • Was sind die Risiken bei Zollkontrollen, was kann passieren, welche Konsequenzen ergeben sich für den Schiffsführer, wer trägt die Gesamtverantwortung?

Wie stellt man die ausreichende Verproviantierung sicher? Was bedeutet ausreichend Proviant an Bord zu haben?

Definieren Sie den Begriff "gute Seemannschaft".

Beispiel 2: Rechtliche Fragen / Fragen zur Verantwortung des Schiffsführers

Szenario: Eine Reise soll starten, es wird in Wachen gesegelt.

  • Was muss als erstes gemacht werden?
    (Wachplanerstellung liegt in der Verantwortung des SF).

  • Welche Anweisungen gibt der SF an den/die WF?

  • Wo werden diese festgehalten? (Orderbuch.)

Während der Fahrt dreht ein Crewmitglied durch, es ist entweder besoffen, oder, falls nüchtern panisch und aphatisch.

  • Was ist zu tun? (Muss in letzter Konsequenz evtl. an Land gesetzt werden. SF hat Hausrecht, aber gleichzeitig Verantwortung für das Wohlergehen der Crew -> Konflikt.)

  • Was ist beim Aussetzen der Person in einem europ. Hafen zu beachten?

  • Was in einem nichteurpäischen, z.B. Russland?

  • Darf man ein Crewmitglied was die Sicherheit an Bord gefährdet in Russland an Land setzen? Welche Vorkehrungen sind zu treffen? (Konsulat kontaktieren, Diplomatische Vertreter des Heimatlandes und lokale Polizei sollten den Fall gemeinsam klären.)

  • Am Hafen erwartet uns ein Kosulatsbeamter in Begleitung der Polizei. Muss der SF denen Zutritt an Bord gewähren? (Ja, natürlich. Es gilt das Recht des Staates, in dessen Hafen man sich befindet!)


Beispiel 3: Abwettern eines Sturmes, Strandung und Verlassen einer havarierten Yacht

Szenario: Sie befinden sich auf der Nordsee an Bord einer Charteryacht. Die Reise dauert schon einige Tage an, sie sind auf dem Nachhauseweg und befinden sich z.B. nördlich von Borkum. Es zieht ein Sturm auf, das Wetter verschlechtert sich schnell.

  • Was tun Sie? (Vorbereitung des Schiffes und der Crew auf den Sturm, also z.B.: Verschlusszustand, Klar Schiff über und unter Deck, Sturmsegel anschlagen, Verproviantierung organisieren, Schwimmwesten, Lifelines, Versuch aktuelle Wettermeldungen zu erhalten, um weiteres Vorgehen abzustimmen, evtl. ablaufen, evtl. Beiliegen, evtl. Nothafen ansteuern, Notwerkzeuge, Seenotmittel, etc. bereit haben)

Ein Crewmitglied wird panisch, es will über Bord springen und an Land schwimmen, weil es noch nie im Sturm auf einer Segelyacht war und denkt sterben zu müssen.

  • Was tun Sie? (Beruhigen, eine Person abstellen zur Beruhigung, zum Aufpassen (bewachen), Person evtl. unter Deck, evtl. beruhigende Medikamente, im Extremfall anbinden.

Die Person befindet sich unter Deck. Sie hat keine Erfahrung, weiß aber grob wie ein Funkgerät zu bedienen ist und kennt auch das MAYDAY Seenotrufzeichen. Es macht sich am Funkgerät zu schaffen, weil es fest davon ausgeht, dass das Schiff bald sinkt und will um Hilfe rufen.

  • Was tun Sie? (Davon abhalten, bewachen, das Crewmitglied darf an keine sicherheitsrelevanten Einrichtungen (Funk, Elektrik, Navigation) gelangen, wo es Schaden verursachen könnte.

Leider gab es ein Navigationsproblem und die Yacht läuft in einer Legerwallsituation auf. (Zum Beispiel in Luv einer Insel.)

  • Was tun Sie? (Manöver der Strandung beschreiben.)

  • Wie und welche Seenotmittel setzen sie ein?

Ein Crewmitglied schlägt vor das Schiff zu verlassen und an Land zu schwimmen.

  • Wie reagieren Sie?

Es kommt keine Hilfe. Sie treffen den Entschluss das Schiff, das inzwischen leckgeschlagen ist, aufzugeben.

  • Wie gehen sie vor? Welche Maßnahmen ergreifen Sie in welcher Reihenfolge?



Beispiel 4: Start der Prüfung: Sehr faire nette ruhige Runde...

- Wie lange fahren Sie schon, was für Schiffe fahren Sie ?

- Schiffsübernahme Mittelmeer, nennen Sie mal die wichtigsten Dinge, die Sie zu kontrollieren haben (Techn. Einrichtung wie Segel, Anker etc., alle Bevorratungen wie Sprit, Wasser (!!), Gas, Lebensmittel, etc.)
Ich tauche den Rumpf ab, ich schaue nach dem Motor, alle Papiere kontrollieren, Sicherheitseinrichtungen etc.

- Sie fahren bei schwerem Wetter im ersten Reff und die Kausch hinten am Segel reißt aus, was tun Sie?
Ich binde das 2. Reff ein.

- Sie übernehmen die Yacht und müssen abends noch auslaufen, wie teilen Sie die Wachen ein?
Ich werde keine alleinige Wache einteilen, ich kenne ja gar keinen, ich muß also selbst wach bleiben. Nach 2-3 Tagen weiß ich auf wen ich mich verlassen kann und wer welche Kenntnisse hat. Alles was mit der Wache besprochen wird kommt ins Wachorderbuch, so etwas nehme ich immer mit, weil es das an Bord nie gibt.

- Einweisung der Crew, danach ins Logbuch eintragen, bzw. Zettel unterschreiben lassen.

- Törnplanung mit Verproviantierung, Reserven einplanen, Etmale bestimmen, Hafenhandbuch, Seekarten, Wetterberichte...

Ich hatte mir solche Fragen schon gedacht und habe einen Aktenordner mitgenommen, den ich als Vorbereitung auf unseren Sommertörn von Korsika aus angelegt habe. Dort sind einzelne Rubriken wie : Verträge, das Schiff, das Revier mit Notbuchten und Häfen, Einweisungsprotokolle etc. alles fein kopiert und abgeheftet und das hab ich ihnen auf den Tisch gelegt und das hat ihn, so glaub ich, schwer beeindruckt.

Eine Traditionsschifferin wurde später speziell zu diesem Thema befragt:

- Thor Hayerdahl Formstabil oder Gewichtsstabil ?

- Wie fährt man eine Wende ?

- Was ist die Reffgrenze ?

- ...

Beispiel 5

SHS-Prüfung: Handhabung von Yachten.

(Aus dem Gedächtnis rekonstruiert)

Im Prüfungsraum befanden sich zwei Prüfer. Der Vorsitzende und ein Beisitzer.

Die Begrüßung fand in einer seglerischen Atmosphäre statt.

Der Vorsitzende stellte die Fragen, der Beisitzer führte Protokoll.



Frage 1

Sie nehmen an einem Törn auf einer 15-Meter-Yacht im Mittelmeer teil. Die Crew ist wild zusammengewürfelt. Alle Crewmitglieder kennen sich untereinander nicht. Auf Sie ist die Wahl des Schiffsführers gefallen. Bei gutem Segelwetter sind Sie einige Tage unterwegs, als Sie von einem plötzlich aufziehenden Sturm überrascht werden.

Wie bereiten sie ihre Crew und die Yacht auf den herannahenden Sturm vor?



Antwort zu 1

Die Notfallrollen – wie im Orderbuch beschrieben - sind vorher verteilt worden. Die Position ist in das Schiffstagebuch eingetragen worden. Die Yacht wurde seeklar gemacht. Die Rettungswesten und Lifeleinen werden angelegt. Strecktaue werden ausgebracht. Die Rettungsinsel ist bereit und zugänglich. Die Yacht ist aufgeräumt und alle losen Ausrüstungsgegenstände sind angelascht worden. Proviant und Heißwasservorrat wurde vorbereitet. Die Stumsegelstrategie muss besprochen werden.



Frage 2

Was sollten Sie noch griffbereit halten um einen möglichen Wassereinbruch einzudämmen, und welche Sturmstrategien können Sie anwenden?



Antwort zu 2

Ich würde die Crew anweisen die Lenzpumpen einsatzklar zu machen und die Pützen (beste Lenzpumpen die es auf einem Segelfahrzeug gibt) bereit zu halten.

Leckstopfen und Lecksegel sind zugriffsbereit zu halten.

Zunächst werde ich die Segelflächen auf ein Mindestmaß verkleinern lassen. Leute gehen dazu eingepickt am Strecktau aufs Vorschiff (z.B. Fock/Genua weg, Sturmfock hoch. Und Großsegel weg, Trisegel hoch oder kleinstes Reff einbinden).

Wenn genügend Leeraum vorhanden ist, würde ich beidrehen und beiliegen bzw. Lenzen vor Top und Takel, mit – zur Stabilisierung über das Heck - ausgebrachtem Treibanker oder – auf die Winschen gelegte Leinenschleppen.

Bei fehlendem Leeraum würde ich – bei gleicher Besegelung – im schrägen Winkel gegen die Brandung anlaufen; und zwar mit voller Maschinenunterstützung.

Es muss gut und aufmerksam gesteuert werden, um auf jeden Fall ein Querschlagen zu vermeiden.



Frage 3

Beim Abwettern im Sturm stürzt ein Crewmitglied im Cockpit und bricht sich einen Arm. Was unternehmen Sie, um dem Verletzten wirkungsvoll zu helfen?



Antwort zu 3

Ich veranlasse, dass das Crewmitglied unter Deck gebracht wird. Dort leite ich die Erste-Hilfe-Maßnahmen ein. Ich lasse das Crewmitglied im Salon oder in einer Koje stabil lagern und versorge seinen Bruch (evtl. Schiene, Armbinde aus Tüchern etc. evtl. Wundversorgung, Schockprophylaxe usw.). Ein Crewmitglied soll die/den Kamerad/in beaufsichtigen.



Frage 4

Sie erkennen schon bald dass das Crewmitglied so stark verletzt ist, dass Ihre Versorgung nicht ausreicht. Was würden Sie sonst noch unternehmen, um eine optimale Hilfe zu gewährleisten?



Antwort zu 4

Ich würde unverzüglich versuchen über Sprechfunk professionelle ärztliche Hilfe herbeizurufen um - wenn möglich – dafür zu sorgen das die/der Verunglückte so bald als möglich die bestmögliche qualifizierte Hilfe erhält oder - wenn nötig – (evtl. per Helikopter oder auf einem gleichwertigen geeigneten Weg) in ein Krankenhaus verbracht werden kann.



Frage 5

Die Wetterlage hat sich gebessert. Der Sturm ist abgezogen. Bei mäßig bewegter See segeln Sie weiter. Im Sturm und bei der Bergungsaktion des Verletzten haben Sie Ihre Energiereserven aufgezehrt. Die Crew ist hungrig und erholungsbedürftig. Unterwegs entschließt sich Ihr Smutje, seinen Kameraden etwas Gutes zum Essen zuzubereiten. Er verabschiedet sich in die Pantry das Essen vorzubereiten. Es soll Reibekuchen geben. Bei der Erwärmung der Pfanne schwappt das Bratfett über und entzündet sich an der Herdflamme. Der Smutje greift zum Feuerlöscher und versucht den Brand zu löschen. Dabei spritzt ein Teil des brennenden Fettes dem Smutje auf die Schürze und er beginnt am Bauch zu brennen. Was würden Sie tun um Ihren brennenden Kameraden zu löschen?



Antwort zu 5

Ich würde die Löschdecke nehmen, die dort in der Nähe des Herdes im Küchenschapp deponiert ist, um den Brennenden darin einzuwickeln. Auf diese Weise würde ich versuchen die Flammen zu ersticken.



Frage 6

Die Idee ist gut. Wo am Körper würden Sie die Löschdecke zuerst anbringen?



Antwort zu 6

Ich würde die Löschdecke vom Kopf zu den Beinen anlegen, damit der Brennende die Flammen nicht ins Gesicht bekommt.



Frage 7

Bei dem Brand in der Kombüse ist hinter dem Herd ein Leck im Rumpf entstanden. Der Wassereinbruch ist außergewöhnlich stark. Sie können das Leck nicht mehr mit bordeigenen Mitteln verschließen. Das Wasser steigt schnell und die Yacht droht zu sinken. Nach zahlreichen ergebnislosen Lenzversuchen entschließen Sie Sich die Yacht aufzugeben. Sie ordnen an, die Yacht zu verlassen und in die Rettungsinsel zu gehen. Wie gehen Sie bei der Verwendung der Rettungsinsel vor?



Antwort zu 7

Die Rettungsinsel wird aus den Haltegurten gelöst und einsatzklar gemacht.

Bevor sie ins Wasser gelassen werden kann, muss die Rettungsinsel mit einer Leine - die mit der Halte-/ Reißleine verbunden ist - an der Yacht befestigt werden. Diese Maßnahme soll verhindern, dass sie unbemannt vertrieben werden kann. Dann geht sie über Bord.



Frage 8

Wie aktivieren Sie die Rettungsinsel, damit sie sich selbstständig aufbläst?



Antwort zu 8

Ich hole die Halte-/Reisleine soweit aus der Rettungsinsel hervor, dass ich mit einem kräftigen Zug die Aufblasautomatik auslösen kann.

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